Schraffuren

Dieser Artikel ist der 2. Teil der Artikelserie “Inkscape für Entdecker”, die sich an Inkscape-Benutzer richtet, die bereits problemlos mit den Grundfunktionen (wie man sie zum Beispiel im zweiteiligen Einsteigertutorial erlernen kann) zurechtkommen.

Wenn Du direkt mitmachen möchtest, lade Dir zuerst die Workshopdatei “Farben 2” (SVG, Lizenz: CC-By-SA 4.0) herunter und öffne sie mit Inkscape.

Auf verschiedene Weise erstellte Schraffuren

Wenn man Objekte mit mehr oder weniger regelmäßigen Strichen versehen will, bietet Inkscape dafür eine Reihe an Möglichkeiten. Welche davon man einsetzen will, hängt nicht nur davon ab, wie es aussehen soll, sondern auch davon, was man mit dem Ergebnis vorhat.

Möchte man z.B. die Schraffur nur ausdrucken oder für eine Webgrafik verwenden, so tut es im einfachsten Fall eine Musterfüllung – wenn man die Schraffur aber eingravieren oder mit einem Plotter zeichnen möchte, braucht man schon richtige Pfade, denen der Gravierer/Plotter folgen kann.

Die Möglichkeiten

Voreingestelltes Strichmuster

Füllmuster als Schraffur

Die wohl einfachste Möglichkeit, eine Schraffur zur erstellen, ist es, einem Objekt einfach ein Füllmuster aus Strichen zu verpassen. Dazu muss man nur im Füllungsreiter des Füllung und Kontur-Dialogs die Schaltfläche für Muster wählen und dann aus der Ausklappliste ein Streifenmuster wählen. Über die Anfasser des Musters, die mit dem Knotenwerkzeug (Taste n) verschoben werden können, lassen sich der Winkel und die Größe des Musters danach einstellen.

Wenn Du sowas noch nie ausprobiert hast, dann ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt dafür!

Eigenes Muster

Selbst erstellte Füllmuster

Wenn man lieber seine eigenen Striche verwenden möchte (z.B. weil man Füllmuster eher schlecht umfärben kann, es sei denn, man möchte dafür auf einen Filter wie Farbe -> Einfärben zurückgreifen), so kann man mit Inkscape auch eigene Füllmuster erstellen.

Dazu geht man wie folgt vor:

Hinweis:

Neue Füllmuster werden nur im Dokument selbst gespeichert. Sie stehen nicht automatisch überall zur Verfügung. Möchte man sich dauerhaft neue Muster zulegen, so kann man dafür entweder eine Vorlagendatei erstellen, in der die Muster gespeichert sind, oder man bearbeitet die Datei patterns.svg und fügt dort neue Muster zu den Inkscape-eigenen hinzu.

Nutze die Gelegenheit und baue doch jetzt mal in der Datei Dein eigenes Muster! Du kannst auch ein bereits existierendes Muster ‘untersuchen’, indem Du es mittels Objekt -> Muster -> Füllmuster in Objekte umwandeln in seine Ursprungsbestandteile verwandelst.

Per Hand mit Führungspfad und Kalligrafiewerkzeug

Schraffieren mit dem Kalligrafiewerkzeug

Während die ersten beiden beschriebenen Wege nur vollkommen regelmäßige, künstlich wirkende, Schraffuren erzeugen, kann man mit dem Kalligrafiewerkzeug natürlichere Strichmuster erstellen.

Diese sind allerdings auch nur eingeschränkt Plotter-geeignet, da sie aus gefüllten Flächen und nicht aus einzelnen Pfaden bestehen. Dafür erlauben sie es, eine leichte Variation in die Schraffur zu bringen, und bei Verwendung eines druckempfindlichen Grafiktabletts (bzw. wenn man es schafft, die Strichgeschwindigkeit mit der Maus zu variieren) sind auch unterschiedliche Strichbreiten möglich.

Um ein Gefühl für diese Funktion zu bekommen, solltest Du sie am besten gleich einmal ausprobieren:

Schraffur-Pfadeffekt

Der Schraffur-LPE

Inkscape wäre nicht Inkscape, wenn sich die Entwickler nicht auch einen LPE (Live Path Effect) als Lösung für das Schraffur-Problem ausgedacht hätten. Mit diesem kann man automatisch Schraffuren erzeugen und anpassen, die wie mit der Hand gezeichnet aussehen.

Rein theoretisch (ich habe keine Testmöglichkeit) sollten die erzeugten Schraffuren auch ganz direkt Plotter-kompatibel sein. Falls notwendig (z.B. für manuelle Weiterbearbeitung) kann man den Pfad aber auch über Pfad -> Objekt in Pfad umwandeln zu einem ganz normalen Pfad ohne Effekt umwandeln.

Der Dialog für den Schraffur-Pfadeffekt bietet eine große Fülle an Einstellmöglichkeiten, deren detaillierte Beschreibung den Rahmen dieses Kurztutorials sprengen würde. Am leichtesten sind die Auswirkungen der einzelnen Parameter wohl zu verstehen, wenn man sie direkt ausprobiert. Nicht umsonst heißt das Ding Live Path Effect ;-)

Los geht’s:

Eine ausführliche Beschreibung der verschiedenen Optionen findet sich auch im Inkscape-Handbuch von Tavmjong Bah (englisch).

Mit einer Erweiterung

Die Eggbot-Schraffuren-Erweiterung

Die “Hatch Fill”-Erweiterung erlaubt es, regelmäßige Schraffuren zu erstellen, die sich mit einem Plotter leicht zu Papier (bzw. zu Ei) bringen lassen, da es sich dabei um einen einzigen Pfad handelt. Sie wurde eigentlich für Nutzer des Eggbot geschrieben, die damit Eier dekorieren können.

Die Erweiterung funktioniert aber auch prima, wenn man gerade keine Eier im Hause hat ;-)

Man benötigt dafür diese zwei Dateien (angegebene Lizenz: GPLv2+), die man sich in sein Benutzer-Erweiterungsverzeichnis (siehe Bearbeiten -> Einstellungen -> System -> Abschnitt 'Systeminformationen' -> Benutzererweiterungen) kopiert. Nach einem Neustart findet man die neue Erweiterung unter Erweiterungen -> Eggbot Contributed -> Hatch fill.

Schraffuren, die der Krümmung einer Form folgen

Im Wiki des Hackerspace RaumZeitLabor in Mannheim beschreibt Alexander Brock im Detail noch zwei weitere Wege zur Erzeugung von Schraffuren. Diese werden dort zur Erzeugung von Stickmustern für eine Stickmaschine verwendet (ein paar besonders schöne Beispiele, tlw. mit Leuchtgarn).

Schraffur durch Interpolieren

Die erste Möglichkeit nutzt die Interpolieren-Erweiterung (Erweiterungen -> Aus Pfad erzeugen -> Interpolieren), um parallel verlaufende Kurven zu erzeugen, die danach für die Stickmaschine noch nachbearbeitet werden (zurechtschneiden und die Pfadrichtung anpassen).

Schraffur durch Muster-entlang-Pfad-LPE

Die zweite Möglichkeit verwendet den Pfadeffekt Muster entlang Pfad (Pfad -> Pfadeffekte -> + -> Muster entlang Pfad), um eine geknickte Schraffur einer Kurve folgen zu lassen. Das Ergebnis wird im Anschluss in einen Pfad umgewandelt und nachbearbeitet.

Ausblick: Native Schraffuren in der SVG2-Spezifikation

Im Entwurf für die nächste Version der SVG-Spezifikation, SVG2, sind Pfad-basierte Schraffuren enthalten. Der Inkscape-Entwickler Tavmjong Bah, der Mitglied der SVG-Arbeitsgruppe des W3C (World Wide Web Consortium) ist, hat diese Funktion dort eingefügt. Wann der Entwurf zum Standard erhoben wird, und ob in der finalen Version auch die Schraffuren enthalten sein werden, ist jedoch nicht klar – aber die Aussichten sind schon mal gut :-)

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