Huion-Grafiktablett unter Linux Mint einrichten

Ein fröhliches Grafiktablett

Bislang war ich mit meinem Huion-Grafiktablett unter Linux Mint sehr zufrieden, denn nach dem Einstecken funktionierte es einfach, seitdem die neuen Kernel das notwendige Modul bereits mitbringen (und nachdem ich den aktiven Bereich in der Konfigurationsdatei an mein Monitorformat angepasst hatte).

Das einzige, was noch nicht so funktionierte, wie ich es wollte, waren die Knöpfe am linken Seitenrand. Diese waren bereits vorbelegt, aber die Tastaturkürzel machten für meine Arbeitsabläufe in Inkscape nicht so viel Sinn.

Gestern habe ich mich dann mal näher damit beschäftigt und endlich auch dafür eine Lösung gefunden.

Für alle anderen, die auch gern alle Funktionen ihres Tablets unter Linux Mint verwenden möchten (und vielleicht nicht die Muße haben, dafür 20+ Webseiten auf Englisch zu lesen), folgt hier eine einfache Schritt-für-Schritt-Anleitung:

Hinweise:

Getestet unter Linux Mint 17.3, mit Xfce-Desktop, mit dem Huion 610 Pro als einzigem Grafiktablett und einem einzigen 4:3-Monitor.
Für Multimonitor-Setup schau Dir bitte auch diese Seite an (Englisch).

Schritt 1: Installation des Treiber-Paketes

Als erstes lädst Du Dir das Paket digimend-dkms_6_all.deb das vom Digimend-Kernel-Driver-Projekt gepflegt wird, herunter.

Im Terminal wechselst Du dann in das Verzeichnis, in dem das Paket abgespeichert wurde, z.B. mit cd /tmp oder cd ~/Downloads.

Dann installierst Du das Paket mit
sudo dpkg -i digimend-dkms_6_all.deb.

UPDATE:

Unter Linux Mint 18 funktionierte für mich das Paket in der Version leider nicht mehr, das Tablet reagierte einfach gar nicht. Was mir hier geholfen hat, war, die aktuellste Version des Treibers zu kompilieren und installieren.

Dazu lädst Du Dir zunächst mal die neueste Version herunter und entpackst sie.

Im Verzeichnis, das beim Entpacken entstanden ist, führst Du nun folgendes aus:

Zum Kompilieren:

`make`

Zum Erstellen eines Paketes und Installieren desselben:

`sudo checkinstall -D`

Jetzt startest Du den Computer neu. Danach wird immerhin das Tablett erkannt, und die Druckempfindlichkeit funktioniert auch. Das Seitenverhältnis lässt sich wie weiter unten beschrieben einstellen. Die Tasten im Rahmen des Grafiktabletts habe ich nach dem Aktualisieren auf Linux Mint 18 noch nicht wieder zum Funktionieren gebracht.

Schritt 2: Erstellen der Konfigurationsdatei für X11

Jetzt schau am besten einmal nach, ob die Datei /etc/X11/Xorg.conf.d/52-tablet.conf bereits existiert: cat /etc/X11/Xorg.conf.d/52-tablet.conf

Falls ja, solltest Du sicherheitshalber ein Backup davon machen:
sudo mv /etc/X11/Xorg.conf.d/52-tablet.conf /etc/X11/Xorg.conf.d/52-tablet.conf.bak

Nun führst Du im Terminal folgenden Befehl aus, um es als Root-Benutzer verwenden zu können:

sudo bash

Danach erstellst Du die Konfigurationsdatei mit dem Befehl:

echo 'Section "InputClass"
        Identifier "Graphics tablet mouse"
        # MatchDriver "evdev"
        Driver "wacom"
        MatchIsPointer "on"
        MatchProduct "PenTablet"
        MatchDevicePath "/dev/input/event*"
        # Apply custom Options below.
EndSection

Section "InputClass"
        Identifier "Graphics tablet pen"
        # MatchDriver "evdev"
        Driver "wacom"
        MatchIsTablet "on"
        MatchProduct "PenTablet"
        MatchDevicePath "/dev/input/event*"
        # Apply custom Options below.
EndSection' > /etc/X11/Xorg.conf.d/52-tablet.conf

Sollte es mit diesem Kommando nicht klappen (Linux Mint 18, Fehlermeldung Datei oder Verzeichnis nicht gefunden), dann ändere Xorg.conf.d in der letzten Zeile zu xorg.conf.d.

Schritt 3: Tabletbereich an die Displaygröße anpassen

Das Tablet hat eine Auflösung von 40000 (Breite) mal 25000 (Höhe). Je nachdem ob Dein Monitorformat eher breiter oder eher höher als das Tablet ist, musst Du den aktiven Bereich des Tablets an Deinen Monitor anpassen.

Wenn Du dies nicht tust, und Dein Monitor ein sehr anderes Format als Dein Tablet hat, sind Deine Zeichnungen sonst in die Breite oder in die Länge gezogen. Dies liegt daran, dass die Ränder der Tabletfläche automatisch den Rändern des Monitors zugeordnet werden, und alles dazwischen entweder entsprechend gestreckt oder gestaucht wird.

In den Einstellungen musst Du dafür eine ‘Zahlenkolonne’ aus vier Zahlen einfügen.

Um diese zu erhalten, berechne jetzt zuerst das Verhältnis <Monitorbreite in Pixeln> : <Monitorhöhe in Pixeln> Deines Monitors, indem Du die Breite durch die Höhe teilst.

Das Verhältnis ist größer als 1,6

Ist das Verhältnis größer als 1,6, berechnest Du die fehlende Zahl für die Zahlenkolonne mit:

Zahl = 40000 : Monitorbreite in Pixeln * Monitorhöhe in Pixeln

Und die Zahlenkolonne (ersetze <Zahl>, nur ganzzahlige Werte erlaubt, alles hinter dem Komma weglassen) lautet: 0 0 40000 <Zahl>

Später wird dann der untere Bereich des Tablets inaktiv sein, weil Dein Monitor stärker in die Breite gezogen ist als das Tablet.

Das Verhältnis ist kleiner als 1,6

Ist das Verhältnis hingegen kleiner als 1,6, so berechnest Du jetzt folgende Zahl zum Einfügen:

Zahl = 25000 : Monitorhöhe in Pixeln * Monitorbreite in Pixeln

Und ersetzt damit <Zahl> in der folgenden Zahlenreihenfolge (nur ganzzahlige Werte erlaubt, alles hinter dem Komma weglassen): 0 0 <Zahl> 25000

Nach dem Anwenden wird der rechte Bereich des Tablets inaktiv sein.

Das Verhältnis ist gleich 1,6

Du kannst auf die Zeile, in der die Zahlenkolonne eingefügt wird, verzichten, oder Du benutzt 0 0 40000 25000.

Notiere Dir die Zahlenkolonne, Du brauchst sie später.

Schritt 4: Tastenbelegung

Welche soll ich nur nehmen?

Überlege Dir jetzt, welche Tasten Du den 8 Tasten des Grafiktabletts zuordnen möchtest.
Meine Belegung ist zum Beispiel (von oben nach unten):

Wie sage ich das dem Computer?

Eine Liste der verfügbaren Tastennamen findest Du hier.

In der verlinkten Datei steht zum Beispiel in der Zeile für die Leertaste:

#define XK_space                         0x0020  /* U+0020 SPACE */

Was Du davon brauchst, ist der Teil des zweiten Wortes nach dem ‘XK_’, also für die Leertaste das Wort ‘space’.

Achtung:

Die Tastenbezeichnungen scheinen sich nicht auf eine deutsche Tastaturbelegung zu beziehen. Es kann sein, dass Du etwas herumprobieren musst, um die richtigen Tastenbelegungen zu erwischen. Ich habe es nicht geschafft, die richtige Taste für das Pluszeichen neben der Eingabetaste im Hauptteil der Tastatur zu finden, und bin deshalb auf den Ziffernblock ausgewichen.

Wenn Du die Tastenbezeichnungen alle zusammengesammelt hast, kannst Du Dir Deine Befehle zusammenbauen:

Für einzelne Tasten fügst Du einfach nur einmal die Tastenbezeichnung hinter ‘key’ in der untenstehenden Datei ein.

Für Tastenkombinationen fügst Du für das Herunterdrücken einer Taste ein Pluszeichen vor dem Tastennamen ein, und für das Loslassen ein Minuszeichen. Es geht dabei darum, dass zwischendrin alle Tasten gleichzeitig gedrückt sein müssen. Wenn sie nur einfach so hintereinander aufgelistet werden, werden sie vom Computer nacheinander ‘gedrückt’.

Unten findest Du meine Datei als Beispiel:

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#!/bin/bash

sleep 2
export DISPLAY=":0"
xsetwacom --set "HUION PenTablet Pen stylus" area 0 0 31250 25000
xsetwacom --set "HUION PenTablet Pad pad" Button 1 "key +ctrl s -ctrl"
xsetwacom --set "HUION PenTablet Pad pad" Button 2 "key shift"
xsetwacom --set "HUION PenTablet Pad pad" Button 3 "key alt"
xsetwacom --set "HUION PenTablet Pad pad" Button 8 "key KP_Add"
xsetwacom --set "HUION PenTablet Pad pad" Button 9 "key KP_Subtract"
xsetwacom --set "HUION PenTablet Pad pad" Button 10 "key +ctrl v -ctrl"
xsetwacom --set "HUION PenTablet Pad pad" Button 11 "key +ctrl x -ctrl"
xsetwacom --set "HUION PenTablet Pad pad" Button 12 "key ctrl"

Kopiere diese Datei als Vorlage für Dich (Du kannst dafür einen normalen Texteditor verwenden), und speichere sie als setup_huion_tablet.sh in Deinem Home-Verzeichnis.

In Zeile 5 (hervorgehoben) fügst jetzt Du hinter ‘area’ Deine eigene Zahlenkolonne ein.

In den Zeilen darunter ersetzt Du den Teil zwischen ‘key’ und dem schließenden Anführungszeichen durch Deine eigenen Tastaturbefehle.

Wenn Du dieselben Tastaturkürzel benutzen willst wie ich, brauchst Du nur die ‘area’ anzupassen.

Dann speicherst Du diese Datei nochmals und machst sie mit

chmod +x ~/setup_huion_tablet.sh

ausführbar.

UPDATE:

Nach Update auf Linux Mint 18 sieht der funktionierende Teil des Skripts bei mir jetzt so aus (da es leider angeblich zwei Styli gibt, muss man einen nach seiner ID auswählen, und diese kann sich bei jedem Neustart/Neu-Einstecken ändern):

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#!/bin/bash

stylusID=$(xsetwacom --list devices | grep stylus | head -1 | sed 's/.*id: //' | sed 's/[ \t].*//')

xsetwacom --set $stylusID area 0 0 31250 25000

Extra:

Wenn Du dieselbe Belegung nutzt wie ich, dann kannst Du Dir auch diesen Streifen ausdrucken, ggf. ‘laminieren’ (ich habe ihn von beiden Seiten mit Klebestreifen beklebt, damit er wischfest ist) und neben Deine Grafiktablettknöpfe kleben (verwendet Icons aus dem Iconset symbolic_icons.svg, das Teil von Inkscape ist).

Falls Du andere Icons / Tastenkombinationen benutzen willst, aber Dir das Ausmessen der Knöpfe sparen möchtest, kannst Du auch die SVG-Datei als Vorlage für Deine eigene Beschriftung benutzen.

Schritt 5: Skript automatisch beim Anmelden ausführen

Wenn Du dieses Skript nun (ohne Rootrechte, als normaler Benutzer, auch zum Testen der Tastenbelegung) mit

sh ~/setup_huion_tablet.sh

ausführst, sollten danach sofort die Tasten korrekt belegt sein und der aktive Bereich des Tablets angepasst worden sein.

Du kannst das ganze aber so oft laufen lassen und ausprobieren, bis es passt. Am leichtesten sieht man die Ergebnisse der Tastaturbefehle, wenn man einen Texteditor öffnet, und darin dann das Knopfdrücken am Tablet ausprobiert.

Leider geht diese Anpassung bei einem Neustart des Systems verloren, das Skript muss also jedes Mal neu gestartet werden.

Dies kann man aber zum Glück automatisieren.

Dazu erstellst Du eine neue Datei mit dem folgenden Inhalt (Texteditor):

[Desktop Entry]
Encoding=UTF-8
Version=0.9.4
Type=Application
Name=Huion-Tablet-Setup
Comment=Einstellungen für Tablet neu setzen
Exec=sh /home/maren/setup_huion_tablet.sh
OnlyShowIn=XFCE;
StartupNotify=false
Terminal=false
Hidden=false

und speicherst sie unter /home/Benutzername/.config/autostart/Huion-Tablet-Setup.desktop ab.

Schritt 6 (optional): Einrichtung in Inkscape

In Inkscape findest Du die Einstellungen für Grafiktabletts, Mäuse und Co. unter Bearbeiten -> Eingabegeräte. Setze dort den Modus auf “Bildschirm”, danach klicke auf “Speichern”. Starte Inkscape neu.

Um die Druckempfindlichkeit dann auch beim Zeichnen mit dem Kalligraphiewerkzeug verwenden zu können, aktivieren das kleine Knöpfchen rechts vom Eingabefeld für “Breite” oben in der Werkzeugleiste.

Fertig!

Tipps + Infos:

  • Lasse niemals, unter gar keinen Umständen den Tablet-Stift fallen. Der Metallkern darin ist ziemlich bröselig und bricht leicht (zum Glück nicht immer…). Danach verhält sich der Stift als ob man dauerklickt und knirscht beim Aufsetzen (gut, dass man Ersatzstifte kaufen kann, die sind auch nicht ganz so teuer).

  • Wenn Du noch eine dekorative Ablage für den Stift suchst (von dem mitgelieferten ‘Türmchen’ fällt er so leicht runter), probier doch mal diese aus Papier aus.

  • Inkscape stürzt bei mir (ohne ein Dateibackup abzuspeichern) ab, wenn ich das Tablet abstöpsle. Also immer erst nach dem Beenden von Inkscape das Tablet ausmachen.

  • Außerdem hat Inkscape Probleme damit, Tablet und Maus gleichzeitig verfügbar zu machen. Ich kann nur entweder das druckempfindliche Tablet oder die Maus zum Zeichnen benutzen, die Schaltflächen lassen sich dann aber mit beiden bedienen. Die Druckempfindlichkeit für das Tablet geht bei mir nur, wenn ich Inkscape erst starte, nachdem ich das Tablet angeschlossen habe. Ich habe es auch schon geschafft, Tablet und Maus gleichzeitig verwenden zu können, leider geht dann die Druckempfindlichkeit nicht ….

  • Die Eingabegeräteeinstellungen sollte man nicht zu oft ändern. Inkscape produziert dabei immer längere Zeilen in der Einstellungsdatei, solange, bis man diese nicht mehr mit einem grafischen Texteditor bearbeiten kann (ich musste gestern extra vim installieren und mir die Bedienung zusammensuchen…).

  • In Krita funktioniert das Grafiktablett bei mir einwandfrei, ohne all die Zicken, die Inkscape macht.

  • Der Hauptentwickler des DIGImend-Projektes hat leider bekanntgegeben, dass er es sich zeitlich und finanziell nicht mehr leisten kann, am Treiber zu arbeiten, und dass er daher bald aufhören wird. Solltest Du eine Idee haben, wie Du Nikolai Kondrashov unterstützen könntest, oder jemanden kennen, der in die Grafiktabletttreiberentwicklung investieren will, dann melde Dich bei ihm.

Viel Spaß beim Zeichnen!

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